Glocken

Das Kirchengeläut von St. Magnus

 

1845   

Beim Bau des Kirchturms wurden aus dem alten Glockenstuhl übernommen: die St.-Magnus-Glocke (Glocke 1, siehe unten, noch heute auf der vierten Etage im Kirchturm) und die Annen-Glocke (Glocke 5).  

1854

Im Dachreiter auf der fertig gestellten St.-Magnus-Kirche werden als Uhrenglocken die Marien-Glocke (Glocke 4, sie hing schon im alten Glockenstuhl und versah während des Neubaus 1844/45 ganz allein den Läutedienst auf einem provisorischen Glockenstuhl) sowie die Uhrenglocke von 1475 (Glocke 6).  

1860

Der Kirchenvorstand sucht eine „Hülfe gegen Kirchenschall“.

1873

Das neue mechanische Uhrwerk auf der zweiten Turmetage nimmt seinen Dienst auf. Die Uhrenglocken befinden sich auf dem Dachreiter der Kirche und werden über Drähte angeschlagen. Es gibt Viertelstundenschläge (einer bis vier) sowie Schläge zur vollen Stunde (die jeweilige Stundenzahl, 9 Uhr = neun Schläge)

 

1882

Die Glocke 5 springt, so dass sie von der Firma Radler in Hildesheim umgegossen werden muss. Weil ihre Vorgängerin im Geburtsjahr Luthers entstanden war, erhielt sie neben einem Lutherbild die Inschrift: „Gottes Wort und Luthers Ehr vergehen nie und nimmermehr“ und wird künftig Luther-Glocke genannt.

1906

Die Glocke 5 muss wegen Schäden neu gegossen werden, in der Hofglockengießerei Franz Schilling in Apolda/Thüringen.

1913

Die Glocke 5 muss in der Hofglockengießerei Franz Schilling wegen Schäden noch einmal umgegossen werden.

1917   

Die St.-Magnus-Gemeinde muss die Lutherglocke (5) und die Uhren-Glocke (6) bei der Metallmobilmachung zur Einschmelze für Kriegszwecke Anfang Juli abgeben. Die Kirche erhielt für 4997 kg Metall 16490,70 Reichsmark in Kriegsanleihen, die der Inflation zum Opfer fielen. Die Glocken wurden „der Einfachheit halber“ auf dem Turm zerschlagen und die Teile aus einer Schallöffnung geworfen.

1925   

Die Friedensglocke (Glocke 2) und die neue Lutherglocke (Glocke 7) werden nach der Montage am Sonntag, 19. Juli, geweiht.

 

 

 

Nun vorhanden: die Glocken 1, 2, 5 und im Dachreiter die Uhrenglocken 4 und 6.

 

1936

Die Glocke 5 ist gesprungen und wird von der Glockengießerei Franz Schilling, Apolda, umgegossen und zum Jahresende installiert. Gewicht: 2750 kg. In den Turm wird durch die Herforder Elektrizitätswerke Kraftstromanschluss gelegt.

1937

Eine elektrische Läuteanlage wird installiert.

1940

Die St.-Magnus-Gemeinde muss ihre Glocken an die „Reichsstelle für Metalle“ melden.

1942   

Die Glocken 1 und 7 sowie die Uhrenglocken 4 und 9 müssen zur Metallmobilmachung im Zweiten Weltkrieg für Kriegszwecke abgegeben werden. Zuvor sind die Glocken in die Kategorien A (wird sofort für die Verhüttung zerlegt), B und C (zunächst zur Sammelstelle) eingeteilt worden. Nur die Friedensglocke (Glocke 2) bleibt als kleinste läutfähige Glocke im Kirchturm.

1943

Die Kirchengemeinde wird aufgefordert, eiserne Glockenklöppel an die Reichsstelle für Metalle abzugeben.

 

 

 

 

1946

Hamburg teilt nach Kriegsende mit, dass die 163cm-Glocke (Glocke 5) eingeschmolzen wurde. Andere Esenser Glocken wurden eingelagert.

1948

Die 1947 aus Hamburg-Harburg (Kontrolle britische Militärregierung) mit Hilfe des Landeskirchenamtes Hannover nach Esens zurückgeführte St.-Magnus-Glocke (Glocke 1) wird durch die Firma Otto aus Bremen-Hemelingen wieder aufgehängt und mit einem neuen Klöppel versehen.

1949

Eine elektrische Läutemaschine wird an eine zurückgeführte Glocke angeschlossen.

1950

Die Kirchengemeinde Esens macht bei der Verwaltungsstelle für Reichs- und Staatsvermögen bei der Oberfinanzdirektion Hamburg den Anspruch auf zwei Glocken von 2952 kg geltend (17965 D-Mark). Die Thor-Borg-Glocke (Glocke 4) kommt wieder nach Esens. Laut Superintendenten Cornelius Schomerus soll bei der Rücklieferung zweier anderer Glocken die Kirchenuhr beschädigt worden sein (Schaden: 250 D-Mark).

Nun vorhanden: im Turm die Glocken 1 und 2 und im Dachreiter die Uhrenglocke 4.

 

1963

Der Kirchenvorstand beschließt die Anschaffung eines Automats zum selbstständigen Läuten und Anschlagen der beiden Glocken im Turm. Es wird ein automatisches Anschlag- bzw. Schaltwerk der Firma Rincker und Bokelmann/Kuhlo in Sinn angeschafft. Die Glocken werden umgehängt und mit Läuteseilrädern versehen.

1975   

Die „Neue Glocke“ (Glocke 3) wird am 17. Dezember im Kirchturm montiert, nachdem sie an der Außenwand heraufgezogen wurde. Zugleich werden zwei weitere elektrische Läutemaschinen eingebaut und danach die bisherige Uhrglocke (Glocke 4) im Kirchturm aufgehängt. Erstmals seit vor dem Zweiten Weltkrieg erklingen wieder vier Glocken.

Nun vorhanden: im Turm die Glocken 1, 2, 3 und 4.

 

1985

Ein elektro-mechanisches Turmuhrwerk des Typs „Bürk“ wird installiert, Stundenschläge gibt es zunächst nicht.

2000

Die Stundenschläge werden wieder eingeführt. Drei Anlieger des Kirchplatzes beschweren sich, weil ihnen die Stundenschläge um 8 Uhr zu früh sind.

 

Kirchturm-Glocken heute:

Glocke 1:

St.-Magnus-Glocke

(1. Glockenboden)

Gegossen 1482 von Barthold Klinge (Bremen), Inschrift: „Maria ick hete, Sunte Magnus un de van Esens hebbt mi laten gheten“, umgegossen 1728 auf der Burg zu Esens von Mammeus Fremy II, Schlagton A, 3750 kg, Durchmesser: 1,81 Meter, Emblem: Fürstlich Ostfriesisches Wappen, Medaillon (Auferstehung Christi). Inschrift: „Verbum dei manet in aeternum“ (Gottes Wort bleibt in Ewigkeit). Musste als „Meisterwerk der Glockengießerkunst aller Zeit“ im ersten Weltkriegen nicht abgeliefert werden, dann aber doch im zweiten. Gelangte nach Esens zurück.

 

Glocke 2:

Friedensglocke (Kriegergedächtnisglocke) von 1925

(2. Glockenboden, Südseite)

Schlagton CIS, nach Umguss: D), Gewicht: 3011 kg, nach Umguss 2755 kg, Durchmesser:
1,45 Meter, gegossen von Firma Franz Schilling in Apolda/Thüringen) wird am 19. Juli montiert (Glockenweihfeier) Inschrift: „Dem Ehrengedächtnis der im Weltkrieg 1914 bis 1918 gefallenen 193 Heldensöhne des Kirchspiels Esens gewidmet“ sowie die Bibelsprüche 1. Joh. 3, 16 und Offb. 2, 10, das Emblem des Eisernen Kreuzes mit der Inschrift: „Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben“ und auf der anderen Seite einen Stahlhelm mit der Inschrift: „Wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen.“

Musste als kleinste läutbare Glocke im zweiten Weltkrieg nicht abgegeben werden.

Glocke 3:

„Neue Glocke“ von 1975

(2. Glockenboden, Nordseite unten)

Die „Neue Glocke“ (Glocke 3) wird am 17. Dezember im Kirchturm montiert, nachdem sie an der Außenwand heraufgezogen wurde. Mitfinanziert wurde sie von Stadt und Samtgemeinde Esens, der Klosterkammer Hannover, Pastor Wilko Grieß und einer Reihe Privatspender. Gegossen von der Firma Günther Kisselbach, Kassel, Schlagton E, 1200 kg, Durchmesser: 1,20 Meter, Inschrift: „To verkünden Gottes Ehr, syn Rohm un syn Nam, hebben de to Esens me laten nee upstahn“ (übersetzt: Um Gottes Ehre, seinen Ruhm und seinen Namen zu verkünden, haben die von Esens mich neu auferstehen lassen).

Glocke 4:

Marienglocke von 1475

(2. Glockenboden, Nordseite oben)

Material: Bronze, gegossen 1475 (oder 1575) ursprünglich für Thunum von Hans van der Borch (oder: thor Borg), 1844 kurz vor Turmfertigstellung als Uhrenglocke umgegossen, Schlagton CIS, nach Umguss: G oder H (?), 550 kg, Durchmesser: 96 bzw. 100 Zentimeter, Inschrift: „Maria hett ok de olle Klock heten, de hebben de to Thunum laten geten. To verkünden Gottes Ehr, syn Rohm un syn Nam, hebben de to Esens me nee laten upstahn“ (übersetzt: Maria hat auch die alte Glocke geheißen, die die Thunumer gießen ließen …)

1942 im Zweiten Weltkrieg als Uhrglocke abgegeben, gelangte nach Esens zurück.

 

Nicht mehr vorhandene Glocken:

Glocke 5:

Annen-Glocke (später Luther-Glocke I)

gegossen 1483 (Luthers Geburtsjahr) von Bartold Klinge (Bremen), Schlagton H, 2755 bzw. 2800 kg, Durchmesser 1,62 Meter, mit Bildern von St. Magnus und St. Viktor. Inschrift: „Anna ik hete, dat Karkspel van Esense het my laten gethen“, Brustbilder der Apostel, 1882 umgegossen von Firma J. J. Radler, Inhaber: Karl Radler, Hildesheim, 1903 neugegossen von Franz Schilling, Apolda. Umgegossen 1913 von Franz Schilling. Als Luther-Glocke mit der Inschrift „Gottes Wort und Luthers Lehr – Vergehen nie und nimmermehr“. (Juli 1917 im Turm zerschlagen und abgeliefert)

Glocke 6:

„Kleine Glocke I“ von 1475

Im Dachreiter-Türmchen auf der St.-Magnus-Kirche hing die Uhrenglocke von 1475, ursprünglich gegossen als Marienglocke für Thunum von Hermann to der Gans, 1800 kg,  (Inschrift: „Defunctos plango, vivos voco, fulgura frango. Vox mea vox vitae voco vos ad sacra venite“, zu deutsch: „Meine Stimme ist die Stimme des Lebens, ich rufe euch zum Heiligtum, kommt!“) Daneben Apostelbilder und „Herman mi goten hat“. Wahrscheinlich um 1830 gesprungen 

Glocke 7:

Luther-Glocke II von 1925

Gegossen von Franz Schilling, Apolda, Gewicht: zwischen 2019 kg, Schlagton: ?? Randdurchmesser: 163 cm; 1942 für die Metallmobilmachung im zweiten Weltkrieg abgegeben 

Glocke 8:

„Kleine Glocke“ II

1844 gegossen von Hero van Bergen und Claudi Fremy (Stickelkamperfehn), Schlagton: cis, Gewicht: 2225 Kg, Höhe: 1,22 Meter. Inschrift: „Gloria in excelsis Deo. To verkünden Gottes Ehr, syn Rohm un syn Nam. Hebben de to Esens my laten upstahn. (Juli 1917 im Turm zerschlagen und abgeliefert)

Glocke 9:

„Kleine Glocke“ III

1925 gegossen von Franz Schilling, Apolda, Gewicht: 71, 5 kg, Randdurchmesser: 53 cm. Glockenweihfeier am 19. Juli 1925. 1942 als Uhrglocke für die Metallmobilmachung im zweiten Weltkrieg abgegeben.